Es ist normal verschieden zu sein!

Es ist normal verschieden zu sein!

Psychische Erkrankungen gehen uns alle an – jeder dritte leidet im Laufe seines Lebens an einer behandlungsbedürftigen psychischen Erkrankung, Tendenz steigend. Das heißt viele von uns gehen mit dem Thema um: als Betroffene, als Angehörige oder als Nachbar, Freund und Gemeindemitglied.
Oft macht es uns hilflos. Wir wissen nicht, wie wir Menschen mit psychischen Erkrankungen begegnen sollen, oder auch wie wir mit unserer Erkrankung angenommen werden.

Psychische Gesundheit - Seele in Balance

Der Begriff „Psychische Gesundheit“ bezieht sich auf unser „Innenleben“, das heißt, wie wir denken und fühlen, aber auch wie wir handeln. Psychische Gesundheit bedeutet, dass sich ein Mensch seelisch und geistig wohl fühlt. Ein Art Idealzustand, um mit Belastungen und Stress in seinem Leben fertig zu werden und leistungsfähig zu sein.
Doch es gibt hier meist kein „Entweder–Oder–Prinzip“: Wir befinden uns die meiste Zeit irgendwo in der Mitte zwischen „psychisch gesund“ und „psychisch belastet“ beziehungsweise "psychisch krank". Die Grenzen sind meist fließend und zeitabhängig.

Psychische Erkrankungen - Wenn die Seele leidet

Es gibt viele Lebensbereiche und -situationen, die die menschliche Psyche beeinflussen können – etwa ein schwerer Schicksalsschlag, Stress bei der Arbeit oder der Verlust eines geliebten Menschen.
Psychische Erkrankungen können jedoch oft nicht direkt auf eine Ursache zurückgeführt werden. Für die Entstehung werden sowohl biologische Faktoren, familiäre Bedingungen als auch belastende Lebenserfahrungen in der Vergangenheit in Betracht gezogen. Für manche Menschen können normale Alltagsanforderungen schon eine Überforderung darstellen, andere Menschen geraten erst bei extremer Belastung oder Traumatisierung in psychische Krisen.
Menschen mit psychischen Belastungen erleben unterschiedliche Beschwerden (Symptome), die unterschiedlich stark ausfallen. Die Symptome können einen mehr oder weniger großen Einfluss auf den Alltag der Betroffenen haben. Halten diese Beschwerden länger an oder es kommen noch weitere dazu sollte professioneller Rat eingeholt werden.

Wichtig zu wissen: Psychische Erkrankungen

  • können die Wahrnehmung, das Denken, Stimmungen und das Verhalten beeinflussen,
  • sind alltäglicher, als man denkt,
  • sind kein Zeichen von Schwäche,
  • können jeden treffen,
  • werden von jedem anders erlebt und
  • können meist wirksam behandelt werden.

Mit einer kleinen Reihe wollen wir zu häufigen psychischen Erkrankungen Betroffene, Angehörige und Interessierte informieren.
Wir wollen aufzeigen, welche Symptome mit den verschiedenen Krankheitsbildern verbunden sind, wie sie sich im Alltag auswirken und welche Hilfen möglich sind.

  • add Angsterkrankung / Angststörung

    Kein Mensch ist frei von Angst. Sie ist hilfreich und nützlich um uns durch die Gefahren des Lebens zu führen. Bei manchen Menschen nimmt sie ein übersteigertes Ausmaß an, dann spricht man von einer

    Angsterkrankung oder Angststörung

    Angsterkrankungen haben unterschiedliche Ausprägungen
    Die wichtigsten Formen sind:

    • Panikstörung: Sie tritt als Angstattacken auf und geht mit Symptomen wie z.B. Atemnot, Herzrasen, Schwindel, Zittern, Schwitzen und Übelkeit einher. Häufig besteht die Angst  wahnsinnig zu werden oder zu sterben.  Angstattacken dauern in der Regel ca 20 Min. und können mehrfach tgl. oder auch selten auftreten.
    • Generalisierte Angststörung: Es besteht ein ständiges Gefühl von Sorgen und Ängsten, die viele Lebensbereiche umfassen und nicht auf bestimmte Situationen beschränkt sind. Die Angst kann ohne Grund auftreten oder sich auch auf realer Bedrohungen beziehen, jedoch übersteigert und kaum kontrollierbarer. Neben den Symptomen, die auch bei einer Panikstörung auftreten, kommen ständige innere Unruhe, Angespanntheit und Schlafstörungen hinzu.
    • Soziale Angststörung: Die Angst bezieht sich oft auf Situationen, in denen man beobachtet oder bewertet werden könnte, wie z.B. Prüfungen, Reden halten, Essen in der Öffentlichkeit oder auch nur Kontakt zu anderen Menschen aufnehmen. Es kommt zu körperlichen Angstreaktionen wie Erröten, Zittern, Herzklopfen, Übelkeit, Durchfall bis hin zu Panikattacken.
    • Spezifische Phobien: Die Angst wird durch einzelne Objekte oder Situationen hervorgerufen, die in der Regel ungefährlich oder harmlos sind. (Spinnenphobie, Angst vor Blut,..) Schon der Gedanke an die entsprechend Situation oder Objekte verursachen panische Angst.

    Wo hört normale Angst auf und fängt die krankhafte Angst an?

    Sind die Bewegungsfreiheit und Lebensqualität durch Ängste stark eingeschränkt und ist das private und berufliche Leben beeinträchtigt, liegt eine Angsterkrankung vor. Unbehandelt kann sie sich immer mehr verselbstständigen. Es kommt zur „Angst vor der Angst“ und der Lebensradius wird zunehmend eingeschränkt, da angstauslösende Situationen und Orte vermieden werden. Es kommt zum Rückzug, Gefühl des Ausgeliefertseins und Alkohol und Beruhigungsmittel werden oft zur kurzfristigen Kompensation eingesetzt. Häufig gehen auch depressive Symptome mit einer Angsterkrankung einher.

    Wie entsteht eine Angsterkrankung und wie wird sie behandelt?

    Ein Erklärungsansatz bezieht sich auf die Urängste der Menschen. In frühere Zeiten war die Angst vor Raubkatzen und giftigen Spinnen überlebensnotwendig.  Der körperliche Ausdruck der Angst sind natürliche Vorgänge, die auf Kampf oder Flucht vorbereiten. Adrenalinausschüttung lassen uns schneller und besser reagieren, so sorgt z.B. das Herzrasen für eine bessere Durchblutung der Muskeln. Für das Entstehen übersteigerter Ängste werden sowohl genetische, neurobiologische als auch psychische Faktoren in Betracht gezogen. Belastende Lebenserfahrungen in der Vergangenheit aber auch langanhaltende und stressreiche Belastungen in der Gegenwart gelten als Risikofaktoren. Auch bestimmt Denkstile, Annahmen oder Verhaltensweisen können mitverantwortlich sein.
    Bei der Behandlung von Angststörungen müssen zunächst organische Erkrankungen, wie z.B. Herz- und Schilddrüsenerkrankungen, ausgeschlossen werden. Kognitive Verhaltenstherapie und/oder antidepressive Medikamente sind wirkungsvolle Möglichkeiten der Behandlung. Wichtig ist, sich immer wieder soweit als möglich den angstauslösenden Situationen zu stellen, da ansonsten der Lebensradius immer mehr eingeschränkt wird.

    Wichtig zu wissen:

    • So früh als möglich professionelle Hilfe in Anspruch nehmen
    • Angststörungen sind in der Regel gut behandelbar, je früher die Behandlung einsetzt desto besser
    • Als Angehörige sich selbst nicht zu sehr einschränken. Hilfestellungen und Beruhigung führen momentan zur Entlastung, doch langfristig zum Erhalt der Erkrankung.
    • Evtl. eigene Beratung oder Selbsthilfegruppe in Anspruch nehmen



  • add Bipolare Störung

    Bipolare Störung / manisch-depressive Erkrankung

    Jeder Mensch kennt bei sich selbst Stimmungsschwankungen. Bei bipolaren Störungen sind diese Schwankungen sehr ausgeprägt und betreffen den Antrieb, das Denken und die Stimmungslage. Es werden depressive Phasen durchlebt und Phasen euphorischer oder ungewöhnlich gereizter Stimmung (manische Phasen).

    Wie verlaufen Bipolare Störungen?

    Grundsätzlich gilt, dass sie in Phasen auftreten. Diese können unterschiedlich stark und unterschiedlich lang sein. Auch können mehr depressive Episoden auftreten und nur eine schwache oder auch sehr ausgeprägte manische Episode. Die Phasen können direkt ineinander übergehen oder auch mehrere gesunde Jahre dazwischenliegen.
    In einer manischen Episode erlebt man sich als außergewöhnlich leistungsstark, kreativ und schöpferisch. Es kann als Befreiung vor allem nach einer depressiven Phase erlebt werden. Oft liegt ein geringes Schlaf- und Erholungsbedürfnis vor. Steigert sich dieser Zustand, geht die Einschätzung der Realität immer mehr verloren und es können auch Wahnideen und Halluzinationen auftreten. Selbst fühlt man sich meist nicht als krank und macht unter Umständen Dinge, die nach dem Abklingen der Manie zu Scham und Schuldgefühlen führen. Manchmal schadet sich der Betroffene, indem er exzessiv Geld ausgibt oder auch seine bisherigen moralischen Grundsätze über Bord wirft.
    Die depressive Episode ist gekennzeichnet durch Niedergeschlagenheit, Interessen- und Freudlosigkeit. Man kann sich zu nichts aufraffen, ist mut- und kraftlos. Begleitend dazu können weitere Beschwerden auftreten, z. B.  Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen, Schuldgefühle und Wertlosigkeit, Hoffnungslosigkeit, Suizidgedanken, Schlafstörungen oder Appetitverlust. Auch verschiedenen körperlichen Beschwerden können hinzukommen.

    Wie entsteht eine Bipolare Störung und wie wird sie behandelt?

    Es werden sowohl biologische Faktoren, als auch belastende Lebenserfahrungen in der Vergangenheit oder auch aktuell in Betracht gezogen. Auch sind Menschen unterschiedlich belastbar und anfällig für psychische Erkrankungen.
    Ob eine Bipolare Störung vorliegt sollte in einem ausführlichen Gespräch beim Hausarzt/Facharzt, Psychotherapeuten oder einer Beratungsstelle geklärt werden. Informationen von Angehörigen oder Freunden sind hierbei oft hilfreich um den bisherigen Verlauf einschätzen zu können. Häufig sind es auch Angehörige, die unter den extremen Gefühlsschwankungen leiden und auf einen Arztbesuch drängen.
    Die Behandlung verfolgt die Ziele der Akutbehandlung, der Stabilisierung und der Vermeidung weiterer Phasen. Es gibt unterschiedliche psychotherapeutische und medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten. Auch ist es sinnvoll, die Angehörigen miteinzubeziehen. Therapieformen wie Soziotherapie, Musik- und Ergotherapie, und Selbsthilfegruppen können hilfreich sein.

    Was können Freunde und Angehörige tun?

    Die unterschiedlichen Episoden sind für Angehörige und Freunde meist sehr belastend. Sich gut über die Erkrankung zu informieren und evtl. eine Selbsthilfegruppe für Angehörige wahrzunehmen erleichtert es mit den oft widersprüchlichen Äußerungen und den starken Stimmungswechseln umzugehen. Wichtig ist für sich selbst gut zu sorgen und ggf. professionelle Beratung in Anspruch zu nehmen.

    Weiterführende Informationen auf der Website der Deutschen Gesellschaft für Bipolare Störungen e.V. (www.dgbs.de)
    Oder auch beim den Sozialpsychiatrischen Diensten

  • add Depression

    Eine der häufigsten psychischen Erkrankungen ist die

    Depression.

    Im Laufe seines Lebens leidet ca jeder vierte unter einer depressiven Erkrankung. Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer. Depressionen können in jedem Lebensalter auftreten, oft in Kombination mit einer weiteren psychischen Erkrankung wie z.B. einer Angsterkrankung oder auch einer körperlichen Erkrankung.

    Was ist eine Depression?

    Sich niedergeschlagen fühlen, über einen gewissen Zeitraum hinweg einfach nicht „gut drauf“ sein, kennen wir alle. Auch Zeiten der Trauer, aus einem bestimmten Anlass sind uns nicht fremd. Eine Depression unterscheidet sich jedoch von diesen allgemein bekannten Stimmungstiefs. Die Beschwerden sind ausgeprägter.
    Als Hauptsymptome einer Depression gelten:

    • sich niedergeschlagen, deprimiert fühlen oder gedrückter Stimmung sein
    • Interessenverlust an Dingen, die zuvor Freude bereitet haben, Unfähigkeit Freude zu empfinden
    • sich nur sehr schwer zu etwas aufraffen können, erhöhte Ermüdbarkeit, Mattigkeit

    Durchlebt ein Mensch über einen Zeitraum von mindestens zwei Wochen diese Symptome, kann dies auf eine Depression hinweisen. Begleitend dazu können weitere Beschwerden auftreten, z. B.  Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen, Schuldgefühle und Wertlosigkeit, Hoffnungslosigkeit, Suizidgedanken, Schlafstörungen oder Appetitverlust. Auch verschiedenen körperlichen Beschwerden können hinzukommen.
    Depressive Erkrankungen verlaufen meistens in Phasen, die über mehrere Wochen oder auch Monate andauern können. Es kann eine depressive Phase auftreten, oder im Verlauf der Erkrankung auch mehrere.

    Wie entsteht eine Depression und wie wird sie behandelt?

    Es werden sowohl biologische Faktoren, familiäre Bedingungen als auch belastende Lebenserfahrungen in der Vergangenheit in Betracht gezogen. Aus diesen Faktoren ergibt sich ein mehr oder weniger hohes Risiko, an einer Depression zu erkranken. Kommen aktuell belastende Lebensumstände hinzu, können diese eine Depression auslösen. Manchmal ist auch nicht ohne weiteres nachvollziehbar, warum es zu einer Depression kommt.
    Halten depressive Symptome über einen längeren Zeitraum an, sollte mit dem Hausarzt/Facharzt, Psychotherapeuten oder einer Beratungsstelle darüber geredet werden. Depressionen sind behandelbar. Es gibt unterschiedliche psychotherapeutische und medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten. Auch Therapieformen wie Soziotherapie, Musik- und Ergotherapie, und Selbsthilfegruppen können hilfreich sein. Was überhaupt und zu welchem Zeitpunkt hilfreich ist, ist individuell auch verschieden.

    Wichtig zu wissen:

    • an einer Depression ist niemand „selbst schuld“
    • „Zusammenreißen“ funktioniert nicht
    • depressive Symptome ernst nehmen und sich professionelle Hilfe suchen
    • als Angehörige/Freunde unterstützen, zuhören, ermutigen. Jedoch auch gut für sich selbst sorgen und evtl. eigene Beratung in Anspruch nehmen.


  • add Persönlichkeitsstörung

    Die Persönlichkeit eines Menschen ist die Summe alle seiner psychischen Eigenschaften und Verhaltensmuster, die ihm eine individuelle, wesenseigene Identität verleihen. Die Persönlichkeit umfasst das Gefühlsleben ebenso wie die Wahrnehmung, das Denken und die Beziehung zu anderen Personen. Persönlichkeitszüge unterscheiden Menschen voneinander. Die Persönlichkeitsvarianten sind vielfältig und breit gefächert. Bei extremen Ausprägungen, die die Lebensqualität des Betroffenen stark beeinträchtigen, zu subjektivem Leid oder zu häufigen massiven Konflikten mit seiner Umwelt führen, sprich man von einer

    Persönlichkeitsstörung

    Abweichende und unangepasste Erlebensweisen, Erfahrungs- und Verhaltensmuster zeigen sich als stabile und langdauernde problematische Persönlichkeitszüge. Oft sind die Verhaltensweisen der Situation nicht angepasst.

    Wie entstehen Persönlichkeitsstörungen?

    Das grundlegende Temperament eines Menschen, also ob er extrovertiert oder introvertiert, gefühlsbetont oder dickhäutig, agil oder träge ist, wird vor allem durch die Gene bestimmt und ist daher schon ab dem Kleinkindalter relativ stabil. Die Entwicklung der Persönlichkeit wird jedoch stark von Erfahrungen beeinflusst. Diese Erfahrungen hängen mit den Verhaltensweisen des Umfeldes zusammen, in die ein Kind hineingeboren wird. Es können ursprünglich angeborene Eigenschaften verstärkt, abgeschwächt, ins Gegenteil verkehrt oder in anderer Weise verändert werden. Während Geborgenheit und Fürsorge von den Eltern eine Schutzfunktion vor Störungen der Persönlichkeit haben, können Trennungs- und Verlusterlebnisse, Vernachlässigung, Gewalt, körperliche und sexuelle Misshandlungen sowie weitere Faktoren die Persönlichkeitsentwicklung belasten.
    Positive und negative Vorbilder in der Familie können ebenfalls die Persönlichkeitsentwicklung beeinflussen, beispielsweise in Bezug auf das Selbstbewusstsein und Durchsetzungsvermögen, aber auch Ängstlichkeit und Vermeidung. Betreffen kann es auch das Rollenverhalten, also die Geschlechterrollen in der Familie. Einflüsse haben auch die jeweiligen kulturellen und gesellschaftlichen Gegebenheiten. Die vielfältigen Facetten der Persönlichkeit bilden sich bis über das junge Erwachsenenalter aus. Sie sind aber über die gesamte Lebensspanne veränderlich, abhängig von den Erfahrungen, Ereignissen und der Bewältigung von Lebensaufgaben und Konflikten.

    Zur den Persönlichkeitsstörungen zählen (einige Beispiele):

    • Emotional instabile Persönlichkeit (Borderline-Erkrankung)    Narzisstische Persönlichkeitsstörung
    • Dissoziale Persönlichkeitsstörung     Paranoide Persönlichkeitsstörung
    • Dependente (abhängige) Persönlichkeitsstörung    Schizoide Persönlichkeitsstörung
    • Histrionische Persönlichkeitsstörung    Zwanghafte Persönlichkeitsstörung

    Wie werden Persönlichkeitsstörungen behandelt?

    Persönlichkeitsstörungen sind keine „unheilbaren“ Erkrankungen, sondern extreme, individuelle Ausprägungen besonderer Verhaltens-, Gefühls- und Denkmuster. Einerseits haben die betroffenen Menschen dadurch bestimmte Stärken, andererseits werden sie im beruflichen Umfeld oder in zwischenmenschlichen Beziehungen beeinträchtigt.
    Da sich eine Persönlichkeit aufgrund langjähriger Erfahrungen in Kombination mit der genetischen Veranlagung ausprägt, lässt sie sich nicht kurzfristig verändern. Vielmehr können spezifische oft sehr langfristige Therapien dabei helfen, bestimmte ungünstige Verhaltens- und Konfliktmuster zu verändern.

  • add Schizophrene Erkrankung

    Unter dem Begriff Psychose werden verschiedene psychische Störungen zusammengefasst, bei denen es zu einem vorübergehenden mehr oder weniger umfassenden Verlust des Realitätsbezuges kommt. Zu ihr zählen bipolare Störungen, schwere Depressionen und die

    schizophrene Erkrankung

    Etwa einer von 100 Menschen erkranken im Laufe ihres Lebens an einer Schizophrenie. Sie kann ab dem Jugendalter auftreten. Instabile Lebensphasen und hinzukommende Belastungen erhöhen das Erkrankungsrisiko. Weitere Faktoren, wie z.B. frühe traumatische Erlebnisse, familiäre Vorbelastung, früher und massiver Cannabiskonsum können ebenfalls die Erkrankung begünstigen.

    Was sind Anzeichen einer schizophrenen Erkrankung?

    Sie können abhängig von dem Betroffenen und seinen Lebenszusammenhängen verschiedene Formen annehmen. Es können das Denken, Fühlen, die Empfindung zum eigenen Körper und der Kontakt zu anderen Menschen verändert sein. Auch bzgl. des Schweregrades und des Verlaufs gibt es vielfältig Unterschiede. Eine psychotische Episode kann einmalig auftreten, immer mal wieder oder auch anhaltend vorhanden sein. Nach einer akuten Krise dauert die Stabilisierung oft mehrere Monate. In akuten Phasen ist es für den Betroffenen oft schwierig zwischen der Wirklichkeit und der eigenen, subjektiven Wahrnehmung zu unterscheiden. Wahrnehmungen, wie Bilder, Stimmen oder Gerüche, die andere nicht hören/sehen können werden als Halluzinationen bezeichnet. Botschaften aus einer anderen Welt oder das Gefühl verfolgt oder bedroht zu sein zählen zu den Wahnvorstellungen. Das Denken kann durch rasche Gedankensprünge und dem Problem sich zu konzentrieren geprägt sein. Es besteht oft extreme Dünnhäutigkeit und die Grenzen zwischen der inneren und äußeren Welt verwischen. Die Nähe auch zu geliebten Menschen kann bedrohlich wirken. Insgesamt besteht eine Situation der Reizüberflutung. Es kann jedoch auch ein Zustand mit wenig Energie und Antrieb, sozialem Rückzug, gedämpfter Stimmung und scheinbarem Desinteresse auftreten. Dies bezeichnet man als Minussymtomatik.

    Wie wird eine schizophrene Erkrankung behandelt?

    Zunächst ist es wichtig, dass der Betroffene zur Ruhe kommt und die Reizüberflutung gemildert wird. Hier hilft Orientierung und Sicherheit einer persönlichen therapeutischen Beziehung und eine medikamentöse Behandlung. Meist werden Antipsychotika verabreicht. Dies sollte in Kombination mit anderen Therapien geschehen. Therapieformen wie Soziotherapie, Musik- und Ergotherapie  und Selbsthilfegruppen können hilfreich sein. Vermittlung von Wissen über die Erkrankung und von Methoden zum anderen Umgang mit Belastung und Stress sind wichtige Elemente für eine Rückfallvorbeugung.

     

    Was können Freunde und Angehörige tun:

    Menschen mit schizophrener Erkrankungen nehmen sich und ihre Umgebung verändert war und sie werden auch selbst für die Umgebung fremd. Dies bedeutet für alle viel an Verunsicherung und Belastung. Falls möglich gelassen und zugleich aufmerksam Anteil nehmen. Es ist oft eine Balance zwischen Zuwendung und Begrenzung. Wichtig ist für sich selbst gut zu sorgen und professionelle Beratung in Anspruch zu nehmen.

    Wichtig zu wissen:

    • Psychotisches Erleben wird als real erlebt, auch wenn es sich mit der Realität anderer Menschen nicht deckt. Darüber zu streiten führt meist nicht weiter.
    • Ein Symptom der Erkrankung kann sein, dass man sich selbst nicht als krank erlebt.
    • Menschen mit schizophrenen Erkrankungen sind stark  durch Stigmatisierung betroffen
    • Bei Fragen und Verunsicherung sich professionellen Rat holen 
  • add Trauer

    Der Trauer Zeit und Raum geben

    Abschiede gehören zum Leben. Es sind intensive Gefühle des Schmerzes, oft kaum zu ertragen. Trauer hat mit Verlust zu tun: Verlust eines nahen Menschen, Verlust einer Beziehung oder Freundschaft, dem Aufgeben eines Lebensentwurfes oder auch der Verlust von Fähigkeiten, aufgrund von Alter oder Krankheit. Auch dies kann mit anhaltender Trauer verbunden sein.
    Meist verbinden wir Trauer mit dem Tod eines nahen Angehörigen.

    Jeder trauert anders.

    Wer einen nahen Menschen verliert, für den bricht eine Welt zusammen. Eine wichtige Bezugsperson ist gegangen und wir müssen unser Leben, unseren Alltag neu erfinden. Zukunft war immer gemeinsam, nun fehlt jede Vorstellung von ihr. Der einen ist wenig anzumerken, der anderen steht die Trauer ins Gesicht geschrieben. Manche sind schweigsam und in sich gekehrt, andere habe das Bedürfnis zu reden, von der verstorbenen Person zu erzählen, zu weinen oder auch gemeinsam zu beten. Für den einen ist die Zeit der Trauer eher kurz, für den anderen dauert es lange, bis die scharfen Kanten des Schmerzes nicht mehr so sehr wehtun. Hier gibt es keine Regel. In unserer schnelllebigen Zeit laufen wir eher Gefahr über die Trauer hinweg zu gehen. Früher haben uns das „Trauerjahr“ und die dunkle Kleidung davor geschützt, jedoch oft auch in Konventionen gefangen.

    Trauer als Prozess

    Trauer verläuft in einer Wellenbewegung. Sie ist ein emotionales Hin- und Herpendeln zwischen Trauer und auch der Fähigkeit zu lachen und Alltag zu leben. Oft steht dies nebeneinander und beides ist fast gleichzeitig da. Dies ist gut so und heilsam. Das Lachen ist eine Pause vom Schmerz. Alltag und Struktur hilft uns auch, dass sich die Trauer und der Schmerz nach und nach verändern können. Die Zeiten der Trauer werden weniger. Oft werden sie angestoßen durch bestimmte Ereignisse und Erinnerungen: das erste Weihnachten alleine oder eine Situation, in der der andere besonders vermisst wird.
    Trauer verändert: wir gehen bewusster durchs Leben. Eventuell werden andere Maßstäbe an den Alltag entwickelt. Der Blick aufs Wesentliche wird gestärkt.

    Unterschied Trauer und Depression

    Bei einer Depression ist eher eine Gefühlsleere vorhanden, wogegen Trauer ein sehr intensives Gefühl ist. Es kann sich auch ein verharren in der Trauer einstellen, und ein nur rückwärtsgewandtes Erleben. Auch kann sich eine Depression entwickeln. Trauergruppen oder auch das Gespräch in einer Beratungsstelle können klären und helfen.

    Wie gehe ich mit Menschen in Trauer um?

    Wir sind oft verunsichert im Umgang. Manche Trauernde sind nicht in der Lage um Hilfe zu bitten, deshalb kann es wichtig sein auf sie zuzugehen. Jedoch sich nicht aufdrängen, einfach da sein, zuhören. Geduldig sein, auch wenn ich die Geschichte schon mehrfach gehört habe. Oft ist es wichtig diese immer wieder zu erzählen. Hilfreich ist manchmal ganz konkrete Unterstützung: eine warme Mahlzeit vorbeibringen oder auch im Haushalt unterstützen.

    Wichtig zu wissen:

    • Jeder trauert auf seine Weise – es gibt keine richtige oder falsche Trauer
    • Trauer verändert – Maßstäbe werden verrückt
    • Auf Trauernde zugehen ohne sich aufzudrängen, da sein, zuhören.